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Tätigkeiten

Die Holzkultur

Vom Fersina bis zu den Berggipfeln ist das Fersental von weiten, dichten Wäldern überzogen. Das Holz war Jahrhunderte lang in der Lokalwirtschaft von grundlegende Bedeutung. Wer die Möglichkeit zur Besichtigung eines Hofes hat, wird sehen, dass das Holz sowohl beim Hausbau, als auch bei den Gebrauchsgegenständen des Alltags reichlich verwendet wurde. Von den Dachschindeln bis zum Zaun für den Gemüsegarten ist es in jedem Hof vorhanden. Die Fersentaler hatten stets große Erfahrung in der Holzverarbeitung, wussten die Merkmale jeder Art von Baum zu nutzen und stellten dementsprechend Geräte, Möbel, Körbe her ... Der wichtigste Baum war seit jeher die Lärche, deren massives Auftreten in den Wäldern des Tales durch den Menschen gefördert wurde: Ihr Holz wird am häufigsten verwendet, da es leicht zu verarbeiten ist und auch den Witterungseinflüssen stand hält. Die Nutzung der Waldreserven erreichte im 15. - 16. Jh., in der goldenen Epoche des Bergbaus, ihren Höhepunkt. Binnen kurzer Zeit wurden weite Vegetationszonen zerstört. Die Gemeindewälder wurden für die Gewinnung von Kohle und zum Schmelzen der Erze gerodet.
Die Lokalbevölkerung lehnte sich zwar auf, musste diese Umweltzerstörung aber machtlos hinnehmen.

Die Sägewerke
Die großen Wasserreserven wurden auch zum Holzschneiden genutzt. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden zahlreiche Sägewerke, die nun verlassen sind. Eines davon soll instandgesetzt und dem Publikum zugänglich gemacht werden.

Getreideanbau

Die traditionelle bäuerliche Ernährung stützte sich auf das Getreide. Die Talhänge waren, wie auch aus Katastermappen von 1856 hervorgeht, mit Feldern bedeckt, die sich im Sommer golden färbten. Es wurde Roggen, Gerste, Hafer und in sonnigen Lagen auch Mais und Weizen angebaut. Der Roggen, typisches Getreide der Berggebiete, ist kältebeständig, hat einen kurzen Vegetationszyklus und wächst auch auf trockenem Boden. Er war im Tale seit Jahrhunderten reichlich vorhanden; aus Urkunden geht hervor, dass die Dächer der Scheunen bis Ende des 17. Jh. aus Roggenstroh waren, das später durch Lärchenschindeln ersetzt wurde.
Mit dem Vollkorn der Gerste wurden vor allem Suppen zubereitet, während sie geröstet und gemahlen als Kaffee diente. Hafer wurde zur Ernährung des Viehs verwendet. Die große Bedeutung, die das Getreide Jahrhunderte lang in der Lokalwirtschaft hatte, spiegelt sich in der Bauweise und in Familien- und Hofnamen wider (Corn, Milbòch).

Das Wandergewerbe

Das Wandergewerbe, das seit 1600 unter den Männern stark verbreitet war, ist in einigen Teilen des Tals noch nicht ganz verschwunden.
Der Wanderhändler, krumer, verließ das Tal im November, um in Richtung der Städte des alten Habsburgerreiches zu ziehen (nach 1918 auf Südtirol beschränkt), wo er Waren kaufte, die je nach der Jahreszeit wechselten: von Hausrat bis zu Kurz- und Wirkwaren, Stoffen usw., die auf dem Land wieder verkauft wurden. Er kam bei Familien oder in Pensionen unter, die Heimkehr erfolgte im Frühjahr.
In den schwierigeren Zeiten trug diese Aktivität zum Unterhalt Dutzender Familien bei, die so das Einkommen erhöhen oder manches zusätzliche Grundstück erwerben konnten.
Beachtlich ist der Beitrag, den der krumer im Laufe der Jahrhunderte in kultureller und sprachlicher Hinsicht leistete und auch heute noch leistet (der Handel wickelte sich vor allem in deutschsprachigen Gebieten ab). Er brachte zum Beispiel Neuheiten, wie Kleidermoden, Lieder, Tänze usw. in sein Tal.

Bersntoler Kulturinstitut
Istituto Mòcheno

 

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