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Die Fersentaler Sprache

Bos as gaben ist, kimp nea’mer,
s sèll as ist, mechet ònderst sai’,
kenn ber bèckschln s sèll as sai’ bart?

Den uns erhaltenen Zeugnissen entnehmen wir, dass die Siedler, die sich ab 1200 als erste feste Gruppen im oberen Fersental niederließen, als "teutonisch" oder "alemannisch" bezeichnet wurden. Die heutigen Sprachforscher sind sich darin einig, dass ihre Sprache aus Mittel-Oberbayern stammt und das Ergebnis einer Verbindung von Elementen verschiedener Tiroler Täler und Hochebenen ist; diese Theorie wird auch durch den Ursprung der Siedlerfamilien bestätigt, die sich nach und nach im Tal niederließen.

Geschichte der Sprache

Der Erscheinung eines Ausgleichs unter den anfänglichen Sprachvarianten folgten im Laufe der Jahrhunderte Interferenzen und Druck durch Kontakte und durch wirtschaftliche und politische Ereignisse.
Das Blühen der Bergbautätigkeit, das Wandergewerbe, die Auswanderung, die betonte endogame Abkapselung im Bereich der Eheschließung und letztendlich die Einführung der Schulpflicht zeigten Auswirkungen auf die jahrhundertealte Entwicklung der deutschen Sprache.
Besondere Bedeutung haben, mehr im Hinblick auf Quantität als auf Qualität, jüngere Einflüsse: das Italienische, vor allem der Trentiner Dialekt in der Variante von Pergine und zum Teil auch von Pinè; das Tirolerische.

Geographie

Siedlungen deutscher Art waren bis zum 19. Jh. im Raum Pinè (Montagnaga, Miola, Faida, Bedolo, Regnana), im Raum Pergine (Masi Alti S. Caterina, S. Vito) und im Valsugana (Ronchi, Roncegno) vorzufinden.
Bis zum 20. Jh. wurde das Fersentalerische auch in den Orten Vignola und Falesina, auf der Panarotta zwischen dem Talhang von Pergine und dem Fersental gesprochen.
Derzeit gehören vier Ortschaften der Fersentaler Gemeinschaft an: Eichleit/Roveda, Gereut/Frassilongo und Florutz/Fierozzo zur Linken des Fèrsina und Palù im oberen Teil am rechten Ufer.

Derzeitige Situazion

Die letzten Jahrzehnte haben die Sprachgeografie des Tales durcheinander gebracht und sich stark auf den Inhalt und die Form der Sprache ausgewirkt.
Die geschlossene Anzahl der Sprechenden, die tiefe Bindung zur Land- und Weidewirtschaft und die fehlende Verbreitung der Schrift hatten neben einem insgesamt geringeren Gebrauch auch einen Prestigeverlust und die Gleichschaltung mit fremden Modellen und Ausdrucksweisen zur Folge.
Darunter leidet vor allem der Wortschatz, doch sind immer deutlicher auch schwere syntaktische Auswirkungen zu erkennen.
Die Fersentaler Sprache wird mündlich von fast allen Familien von Eichleit/Roveda und Palai/Palù, von einem Großteil der Familien von Florutz/Fierozzo und von sehr wenigen Familien in Gereut/Frassilongo gebraucht.
Die von der autonomen Provinz Trient im Jahr 2001 durchgeführte Sprachzählung hat es der Gemeinschaft zum erstenmal gestattet, ihre Sprachgruppenzugehörigkeit zu äußern und Statistiken zum Grad der Sprachbeherrschung ihrer Mitglieder zu erarbeiten (mündliche/schriftliche, aktive/passive Beherrschung).
Anzahl von Personen, die sich als der Fersentaler Sprachgruppe zugehörig erklärten (vorläufige Daten):

Gemeinde

Anzahl

%

Fierozzo/Vlarotz 

423

95.92%

Palù/Palae 

184

95.34%

Frassilongo/Garait 

340

95.24%

Andere Gemeinde

1331

Totale 

2.278


Dati: Volkszahlung 2002.

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